Ethik-Research Länder und Unternehmen

 

   
   

In einer Zeit, als die Wirtschaft noch aus einfach strukturierten Basisindustrien bestand, war die Orientierung an den im Rechnungswesen erfassbaren Vermögenswerten eine ausreichend genaue Abbildung der Wirklichkeit. In den letzten Jahrzehnten hat sich in den entwickelten Wirtschaftsräumen jedoch ein einschneidender Wandel vollzogen. Die Bedeutung des Dienstleistungssektors ist inzwischen wesentlich größer als jene der klassischen Industrie, und innerhalb des industriellen Sektors verläuft der Trend hin zum know-how-intensiven Hochtechnologieunternehmen.

Die Marktmacht hat sich vom Produzenten hin zum mündigen Konsumenten verschoben, und Politik und Öffentlichkeit machen die Umwelt zu einem Thema für die Wirtschaft. Auch wurden neue Technologien entwickelt, mit noch nie dagewesenen Chancen und Risiken für die Menschheit, wie etwa der Computer, das Internet oder die Biotechnologie.

Ethisches Investment im Aufwind
Weltweit existieren bereits mehrere hundert Ethik- und Ökofonds (E&Ös) sowie eine Vielzahl, nach ethischen Kriterien verwalteten, institutioneller und privater Portfolios. Hierbei können die USA bereits auf eine lange Tradition zurückblicken und haben die Marktführerschaft inne. Aber auch in Kontinentaleuropa, insbesondere im deutschsprachigen Raum, ist ein überproportionales Wachstum des E&Ö-Segments zu beobachten. Der Trend zu privater und betrieblicher Altersvorsorge sowie eine verstärkte Sensibilisierung von Medien, Öffentlichkeit und Investoren sind fördernde Faktoren für ein weiteres quantitatives und qualitatives Wachstum.

Neue Herausforderungen für Vermögensmanagement und Wertpapieranalyse
Dieser strukturelle Wandel der Märkte, sowohl auf Investoren- als auch auf Unternehmensseite, stellt neue Anforderungen an das Vermögensmanagement sowie an die Methodik der Unternehmensanalyse und -bewertung. Der «wahre Wert» eines modernen Betriebes besteht zu einem bedeutenden Teil aus den fachlichen und sozialen Fähigkeiten seiner Führungskräfte und Mitarbeiter, aus dem Vertrauen seitens der Kunden, aus der Attraktivität für Kapitalgeber, also letztlich aus der Qualität des gesamten Beziehungsnetzwerks zu den Anspruchgruppen – den sogenannten Stakeholdern.

Der Research-Ansatz von BlueValue
BlueValue hat seinen Research-Ansatz auf Basis des Stakeholder-Modells entwickelt. Dieser folgt der These, dass dauerhafter Unternehmenserfolg auf einer Entwicklung beruht, die von allen Stakeholdern aktiv oder zumindest passiv mitgetragen wird. Letztlich ist diese Zielsetzung auch optimal für das Unternehmen bzw. seine Eigentümer, denn auch deren Shareholder Value hängt ab von der Gestaltung der Umweltpolitik sowie der Akzeptanz des Unternehmens bei Personal, Gesellschaft, Kapitalmarkt, Kunden und Marktpartnern.

Unter diesen sechs Stakeholderbereichen sind wiederum eine Reihe von Anspruchgruppen subsumiert:

   
  Umwelt Tiere und Pflanzen, Boden, Wasser, Luft, Ökosysteme, Landschaften und Rohstoffe;

   
  Personal feste, freie und temporäre Mitarbeiter und das Management;

   
  Gesellschaft Staat, Region, Standortgemeinde, Anrainer und Öffentlichkeit;

   
  Investoren Aktionäre, Obligationäre und Kreditgeber;

   
  Kunden weiterverarbeitende Unternehmen, der Handel und kommerzielle wie private Nutzer;

   
  Markt Lieferanten, Subkontraktoren, Kooperationspartner und die Mitbewerber.

   
   

Zu jedem einzelnen Stakeholderbereich existieren Kriterien, welche durch Indikatoren bzw. Research-Quellen und -Instrumente messbar gemacht werden.

Allgemeine Kriteriengruppen, die für jeden Stakeholder überprüft werden, sind z.B. Strategie, Leitbild, Managementsystem, Berichterstattung, Information und Kommunikation, Auszeichnungen und Kontroversen.

Stakeholderspezifische Kriterien beziehen sich auf die konkreten Ausprägungen der Unternehmenspolitik für die Bereiche:

   
  Umwelt Ressourceneinsatz, Emissionen, gefährliche Substanzen, Umweltstrafen etc.

   
  Personal Arbeitszeit, Gesundheit und Sicherheit, Personalentwicklung, Familien-, Frauen- und Minderheitenpolitik, Entlöhnung, Personalfreisetzung etc.

   
  Gesellschaft Spenden- und Sponsoringpolitik, Engagement in der Standortgemeinde, Menschenrechte, steuer- und abgabeninduzierte Aspekte etc.

   
  Investoren Wertorientierung, Corporate Governance, Transparenz, Bonität und Zahlungsverhalten etc.

   
  Kunden Produktenutzen, Qualität, Preis-Leistungsrelation, Service, Produktsicherheit und -information, Marktetingstil etc.

   
  Markt Überbindung von Standards auf Lieferanten und Partner, Kontinuität und Stabilität der Zusammenarbeit, Wettbewerbsstrategie, Einkaufspolitik, Akquisitionspolitik etc.

   
   

Insbesondere werden auch die positiven und negativen sozialen und ökologischen Effekte der Produkte und Dienstleistungen der einzelnen Unternehmen beurteilt, und zwar über den gesamten Wertschöpfungszyklus von den Rohstoffen über die Produktion bis zur Nutzung und Entsorgung.

Eine Reihe von Unternehmensaktivitäten ist unter ethischen Gesichtspunkten grundsätzlich unerwünscht. Darum verwendet BlueValue u.a. folgende Ausschlusskriterien: Nuklearenergie, Kohle und Erdöl, Rüstung, Alkohol und Tabak. Für jedes dieser Kriterien existiert eine Definition, welche Art, Ausmass und Unmittelbarkeit des Engagements festlegt, das zu einem Ausschluss führt. Jenseits dieser Kern-Ausschlusskriterien unterliegt die Entscheidung der Einschätzung der individuellen Situation.

Für ihre Analysen nutzt BlueValue eine breite Palette an Research-Quellen wie Geschäftsberichte, Umwelt- und Sozialberichte, Produktpräsentationen, Umfragen, Unternehmenskontakte, NGO’s, allgemeine und Fachmedien, den Kontakt mit Experten u.v.m.

Die einzelnen Informationen werden ausgewertet, systematisch gewichtet und zu einer ethischen Gesamtbeurteilung des Unternehmens verdichtet. Dieses Profil bildet, gemeinsam mit der finanzanalytischen Einschätzung, die Grundlage für die effektive Anlageentscheidung.

Leistungen von BlueValue
Der dargestellte Research-Ansatz ist die Leistung von BlueValue, den sie ihren Kunden anbietet, adaptiert und in enger Kooperation mit dem Portfoliomanagement umsetzt. Dabei werden Neuzugänge ins Portfolio einer tiefgehenden Analyse unterzogen, Altbestände laufend überprüft und Anlagevorschläge entwickelt.

Darüber hinaus erstellt BlueValue auch individuelle Anlagekonzepte, die ein vorgegebenes Investmentthema mit ethischem Bezug – z.B. Nachhaltigkeit, Ökologie oder Umwelttechnologie – operationalisieren. Diese Leistung besteht aus der Konzeption einer Bewertungs- und Verdichtungsmethodik, der Auswahl und Definition von Ausschlusskriterien sowie der Erstellung von Kriterien und Indikatoren. Hierfür gilt es geeignete Research-Quellen und -Instrumente zu definieren bzw. zu entwickeln.

BlueValue ist verantwortlich für die laufende Anwendung des entwickelten Anlagekonzeptes in Form des ethischen Investment-Research.

Auch das regelmässige Reporting betreffend die ethischen Aspekte des Portfoliomanagements, die Unterstützung bei der Entwicklung von Marketingstrategien und -instrumenten sowie Vortragstätigkeit und Produkteinschulung sind Komponenten des BlueValue-Leistungsspektrums.

Ihre diesbezüglichen Fachkompetenzen stellt BlueValue u.a. Banken, Anlagefonds, Pensionskassen, Vermögensverwaltungen und anderen institutionellen Investoren zur Verfügung.