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Diagnose |
Wirtschaft und Gesellschaft sind heute schwerwiegenden
Gefahren ausgesetzt. Gleichzeitig sind im Bereich von Wirtschaft und
Unternehmen bedeutsame und hoffnungsvolle
Zeichen erkennbar.
Zuerst zu den Gefahren: Die Globalisierung hat die Wirtschaft in
ein tief greifendes strukturelles Problem geführt. Die ethische,
soziale und politische Steuerung der Wirtschaft ist in eine Krise
geraten. In der globalisierten Wirtschaft fehlen Instanzen, welche
ethische, ökologische, soziale und politische Rahmenbedingungen
der Wirtschaft verbindlich durchsetzen können. Obwohl das Problem
erkannt ist, dass der Markt ohne Ethik Fehlleistungen erbringt,
gibt es bisher kaum so etwas wie den Ansatz einer ethisch-politischen
Weltordnung. Die Folge sind ökonomische und ökologische
Fehlentwicklungen, soziale Ungleichheit, Arbeitslosigkeit, ungeordnete
technologische Entwicklungen, Entstehung neuer Gewalt- und Terrorpotenziale.
Diesen Gefahren stehen aber auch positive Entwicklungen gegenüber.
In der Wirtschaft und in Unternehmungen zeigen sich neue Formen ethischer
Selbstverantwortung und Selbstbindung. Zunehmend bekennen sich auch
multinationale Unternehmen zum Verantwortungsbewusstsein gegenüber
der Gemeinschaft. Es gibt eine neue Bereitschaft, die ethische Steuerung
wirtschaftlicher Prozesse autonom, unabhängig von - generell
schwächer gewordenen - staatlichen Rahmenbedingungen zu realisieren,
mit der berechtigten Erwartung auf wirtschaftlichen Erfolg. Dass eine
solche Entwicklung schon eingesetzt hat, beweisen bereits greifende
globale Ethik-Standards, Audits, Zertifizierungen,
ethisch orientierte Corporate-Governance-Systeme, ethische Geldanlagen,
etc.
Das Neue besteht in der Einsicht in die Notwendigkeit autonomer ethischer
Selbstbindung auf dem Hintergrund eines neuen
Bündnisses von Ethik und Erfolg bzw. Ethik und Gewinn.
Diese Entwicklung erklärt sich über folgende Wahrnehmungen:
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In der Öffentlichkeit werden mehr und mehr
die Defizite der Wirtschaft diskutiert. |
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Es entstehen neue Imageprobleme für Unternehmen,
die in die Kritik geraten. |
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Die moralischen Ansprüche in der Wissensgesellschaft
steigen, insbesondere bei Management, Anlegerinnen und Anlegern
und bei Kunden. |
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Das Risikobewusstsein hinsichtlich Umwelt, sozialen
Friedens und Terror steigt. |
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Das Protestpotenzial wächst weltweit. |
Aufgeklärte Unternehmen begreifen
deshalb, dass sie neue Herausforderungen in eigener Verantwortung
annehmen müssen und dass es sich lohnt, in der Unternehmenspolitik
auf solche gesellschaftliche Veränderungen zu antworten.
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