Gefahren und Chancen in der globalisierten Wirtschaft von Prof. Dr. Hans Ruh

 

   
  Ziel Das übergreifende Ziel von BlueValue besteht im Transfer von Ethik in die Wirtschaft im Blick auf eine bessere Welt. Diese Zielsetzung gründet auf der Überzeugung, dass eine menschliche Wirtschaft eine ethische Orientierung voraussetzt.

   
  Diagnose Wirtschaft und Gesellschaft sind heute schwerwiegenden Gefahren ausgesetzt. Gleichzeitig sind im Bereich von Wirtschaft und Unternehmen bedeutsame und hoffnungsvolle Zeichen erkennbar.

Zuerst zu den Gefahren: Die Globalisierung hat die Wirtschaft in ein tief greifendes strukturelles Problem geführt. Die ethische, soziale und politische Steuerung der Wirtschaft ist in eine Krise geraten. In der globalisierten Wirtschaft fehlen Instanzen, welche ethische, ökologische, soziale und politische Rahmenbedingungen der Wirtschaft verbindlich durchsetzen können. Obwohl das Problem erkannt ist, dass der Markt ohne Ethik Fehlleistungen erbringt, gibt es bisher kaum so etwas wie den Ansatz einer ethisch-politischen Weltordnung. Die Folge sind ökonomische und ökologische Fehlentwicklungen, soziale Ungleichheit, Arbeitslosigkeit, ungeordnete
technologische Entwicklungen, Entstehung neuer Gewalt- und Terrorpotenziale.

Diesen Gefahren stehen aber auch positive Entwicklungen gegenüber. In der Wirtschaft und in Unternehmungen zeigen sich neue Formen ethischer Selbstverantwortung und Selbstbindung. Zunehmend bekennen sich auch multinationale Unternehmen zum Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Gemeinschaft. Es gibt eine neue Bereitschaft, die ethische Steuerung wirtschaftlicher Prozesse autonom, unabhängig von - generell schwächer gewordenen - staatlichen Rahmenbedingungen zu realisieren, mit der berechtigten Erwartung auf wirtschaftlichen Erfolg. Dass eine solche Entwicklung schon eingesetzt hat, beweisen bereits greifende globale Ethik-Standards, Audits, Zertifizierungen, ethisch orientierte Corporate-Governance-Systeme, ethische Geldanlagen, etc.

Das Neue besteht in der Einsicht in die Notwendigkeit autonomer ethischer Selbstbindung auf dem Hintergrund eines neuen Bündnisses von Ethik und Erfolg bzw. Ethik und Gewinn.

Diese Entwicklung erklärt sich über folgende Wahrnehmungen:

-   In der Öffentlichkeit werden mehr und mehr die Defizite der Wirtschaft diskutiert.
-   Es entstehen neue Imageprobleme für Unternehmen, die in die Kritik geraten.
-   Die moralischen Ansprüche in der Wissensgesellschaft steigen, insbesondere bei Management, Anlegerinnen und Anlegern und bei Kunden.
-   Das Risikobewusstsein hinsichtlich Umwelt, sozialen Friedens und Terror steigt.
-   Das Protestpotenzial wächst weltweit.

Aufgeklärte Unternehmen begreifen deshalb, dass sie neue Herausforderungen in eigener Verantwortung annehmen müssen und dass es sich lohnt, in der Unternehmenspolitik auf solche gesellschaftliche Veränderungen zu antworten.